„Kirmeshannes“ in Bardenbach

Wie in vielen anderen Regionen und deren Gemeinden im gesamten Bundesgebiet ist der Bardenbacher „Kirmeshannes“ wie er bei uns genannt wird, das Symbol oder das Sinnbild der Kirmes.

Der „Kirmeshannes“ und das „Kirmesbegraben“ im Waderner Stadtteil Bardenbach ist ein alter Brauch, wobei der Ursprung nicht ganz genau bekannt ist.

Die Bardenbacher Kirmes wird nach dem Schutzpatron der Bardenbacher Kirche, St. Antonius mit dem Schwein, am 17. Januar, jedes Jahr gefeiert.

Die ersten richtig organisierten Veranstaltungen in den 1950er Jahren wurden damals im Saal der Familie Schmidt, den Bardenbachern auch als „Bausen-Saal“ bekannt, gefeiert. Später fanden die Kirmesveranstaltungen im Saal des Gasthauses Michely statt. Seit 1987 werden die Feierlichkeiten im Bürgerhaus in Bardenbach abgehalten.

Der Beginn dieses Brauches dürfte in den Nachkriegsjahren liegen. Hier kamen einige Bardenbacher Kirmesbesucher spontan, aus einer Bierlaune heraus, auf die Idee, ihre Kirmes zu beerdigen. Kurzerhand bediente man sich einer Tischdecke im Gasthaus, die als Gewand für den Pastor diente und zog mit den restlichen Kirmesbesuchern los, um die Kirmes zu beerdigen. So zumindest wurde es von einigen Zeitzeugen berichtet. Ob es damals bereits einen „Kirmeshannes“ gab ist nicht überliefert.

Zu dieser Zeit zog es Kirmesbesucher aus allen nahegelegenen Ortschaften nach Bardenbach. Auch war es Tradition die Verwandtschaft zur Kirmes einzuladen. Der Grund war einfach. Damals und auch noch bis in die 1960er und 1970er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden in vielen Häusern noch Hausschlachtungen durchgeführt. Diese fanden immer im Winter statt. Also waren an der Bardenbacher Kirmes die Vorratskammern stets gut mit Wurst, Schinken, Pökelfleisch, Schweinskäs, Dürrfleisch, sauren Bohnen, Sauerkraut, sauren Gurken und vielem mehr, gefüllt. Es fehlte also an nichts. Nach dem guten Essen wurde in den Gasthäusern und Sälen ausgiebig bis in die frühen Morgenstunden getanzt und gefeiert.

Der Brauch „Kirmesbegraben“ wurde Anfang der 1970er Jahre erneut aufgegriffen. Wie bereits einige Jahre zuvor, waren sich einige Männer mittleren Alters einig, dass es nach etlichen Jahren wieder an der Zeit wäre die Kirmes zu begraben.

Als Gestalt des „Kirmeshannes“ diente eine Strohpuppe in Lebensgröße die auf einem Stuhl saß und von der Dorfjugend zu Beginn der Kirmes (meistens Freitags) zunächst gebaut und später durchs Dorf getragen wurde. Hierbei wurde der „Hannes“ angefleht die Geldbeutel während der Kirmes immer gut gefüllt zu halten, damit niemand Durst leiden muss. Anschließend wurde der „Hannes“ in der Dorfmitte, in luftiger Höhe aufgestellt, von wo er das Kirmestreiben fest im Blick hatte. Nicht selten kam es vor, dass der „Kirmeshannes“ von Jugendlichen der benachbarten Ortschaften entführt wurde. Auf der Suche nach dem Hannes musste so manche Kneipe in den Nachbarortschaften durchsucht werden. Meistens konnte der Hannes mit einem Kasten Bier von den Entführern freigekauft werden.

An Kirmesdienstag war damals noch im Saale Michely Kirmestanz. Hier wurden die Vorbereitungen zum Kirmesbegraben getroffen.

Die Rollen des Pastors und der Messdiener waren gleich vergeben. Als Umhang diente ein altes Bettlaken. Das Weihrauchfass bestand aus einer alten Blechbüchse die am Boden mit Löchern versehen war. Der Inhalt bestand aus Sägemehl und Tannenharz, was einen üblen Geruch verursachte. Der Weihwasserbehälter war ein alter Eimer, wobei das „Weihwasser“ mit einer Klobürste auf die Prozessionsteilnehmer gesprenkelt wurde. Alles war improvisiert.

Bereits beim Verlassen des Gasthauses wurde auf der Eingangstreppe auf das traurige Ereignis hingewiesen. Es waren immer viele Schaulustige anwesend.

Danach setzte der Trauerzug sich in Bewegung.

Ein Kreuzträger trug ein Holzkreuz mit der Beschriftung „Kirmeshannes“. Dahinter folgte ein weiterer mit einem Holzkreuz an dem viele leere Geldbeutel hingen. Dahinter ging der Pastor und die Messdiener und dahinter eine kleine Musikkapelle die während der Prozession Trauermusik spielte. Wiederum dahinter das trauernde Volk. Es wurde lauthals darüber gejammert, dass das liebe Geld auf der Kirmes geblieben ist und die Geldbeutel nun leer sind. Der „Kirmeshannes“ wurde angefleht die Geldbeutel bis zur nächsten Kirmes wieder gut zu füllen, damit wieder ausgelassen gefeiert werden kann. Dazu wurde die Kirmeslitanei gebetet. Der Pastor betete vor und die Trauergäste nahmen ab. Da es nur noch eine überlieferte Litanei gab, wurde eine neue erstellt und aufgeschrieben. Hierin kamen immer merkwürdige und spaßige Sprüche vor, was zur Erheiterung der Gesellschaft beitrug.

In diesen Jahren waren es insbesondere die Gründer des damaligen Jugendclubs „XAIPE-XE“, allen voran Dieter Müller, oder besser als „Kuli“ bekannt, welche die Kirmesbeerdigungen organisierten. Dieter Müller hatte jahrelang die Rolle des Pastors inne. Unvergessen sind die Trauermärsche durch das halbe Dorf bei denen Pastor „Kuli“ unter großer Anteilnahme und originellen Trauersprüchen und Gesängen den Hannes zu Grabe geleitete. Der Hannes wurde dann von allen Anwesenden beweint und an verschiedenen Örtlichkeiten im Dorf verbrannt.

Höhepunkt dieser Zeremonien war sicherlich der Besuch des ZDF 1976. In der Sendereihe „Drehscheibe“ wurde dieser Beitrag deutschlandweit ausgestrahlt.

In den späten 1980 er oder Anfang der 1990 er Jahre kam diese schöne Tradition erneut zum erliegen. Erst vor einigen Jahren wurde dieser Brauch wiederum ins Leben gerufen.

Erneut waren es Kirmesbesucher die traurig über das jähe Ende der Kirmes in Bardenbach waren und an Kirmesdienstag im Gasthaus Michely spontan eine Kirmesbeerdigung inszenierten. Auch dort war zunächst alles improvisiert.

Im Jahr 2009 gründete sich dann die Interessengemeinschaft Biel/Bardenbach 09‘ die sich seither um den Kirmeshannes und seine Beerdigung kümmert. Zunächst mussten die Organisatoren alles selbst machen. Als Pastor stellte sich zunächst Uli Kuhn zur Verfügung.

Mittlerweile haben sich auch wieder junge Leute gefunden die am Kirmesfreitag den Kirmeshannes in alter Tradition bauen und durchs Dorf tragen. Anschließend wird er auf das Dach des Bürgerhauses gesetzt, wo er wie früher, das Kirmestreiben fest im Blick hat.

Die Zeremonie der Beerdigung ist ähnlich wie die der früheren Jahre.

Leider gingen im Laufe der Jahre doch einige Zuschauer und Trauergäste verloren, was sich hoffentlich noch bessern wird.

Trotzdem wird dieser schöne, alte Brauch vorgesetzt.

Es bleibt zu hoffen, dass er nicht wieder einschläft und es noch viele schöne „Kirmesbeerdigungen“ in Bardenbach geben wird.

Im nächsten Jahr wird dann Maximilian Müller die Nachfolge von Uli Kuhn als Pastor antreten und somit in die Fußstapfen von Dieter Müller (Kuli) schlüpfen. Auch hier setzt sich somit eine Tradition fort, da Dieter Müller der Cousin von Maximilian Müllers Vater ist.

Zusammengestellt von Dieter Müller, Krettnich

und

Chr. Groben, Bardenbach.

Bardenbach, 23.07.2014